Zur Geschichte der Cunnersdorfer Kirche
Begonnen hat alles damit, dass die geistliche Versorgung unserer Dörfer in Schönbach, Hausdorf und Cunnersdorf durch den Stadtpfarrer aus Kamenz als ausgesprochen mangelhaft empfunden wurde. Es gibt alte Berichte darüber, dass sich der Besuch des Pfarrers auf die Schulabschlussprüfung einmal im Jahr beschränkte. Das Reichen der Sterbesakramente, das mit dem Abholen und Heimbringen des Pfarrers verbunden war, trieb manche Familie in den Ruin. Ansonsten besuchte man den Gottesdienst in Kamenz, ließ dort taufen und konfirmieren und setzte die Toten auf dem Gottesacker der Stadt bei.
Im vorigen Jahrhundert kam der Gedanke einer eigenen Kirchengründung in Cunnersdorf auf. Es bedurfte eines tatkräftigen Mannes wie Bernhard von Lippe (1852-1938), Rittergutsbesitzer in Cunnersdorf, der diesen Gedanken aufnahm und weitertrieb. Der Besuch der Einweihung der kleinen Kirche in Schmeckwitz (1901) überzeugte den Kirchvorsteher B. v. Lippe vollends. Mit dem Architekten der Kirche von Schmeckwitz Woldemar Kandler aus Dresden-Klotzsche, wurden Überlegungen angestellt. Dieser führte dann auch den Bau aus. Bis zur Einweihung 1907 gab es enorme Hürden zu nehmen. Denkwürdig und fotografisch festgehalten (nachträglich) wurde eine Hausväterversammlung von über 80 Männern aus Schönbach, Hausdorf und Cunnersdorf, die den Plan zum Kirchenbau mit trugen.
Am 07.07.1907 wurde die Kirche eingeweiht und im März 1908 bezog der Pfarrer das Pfarrhaus. Kurz vor der Gründung der Kirchgemeinde Cunnersdorf wurde, um eine lebensfähige Größe der Gemeinde zu erreichen, das Dorf Biehla der Kirchgemeinde zugeordnet.
Es entstand mit diesem Bau eines der seltenen Ensemble, in dem Kirche und Pfarrhaus aneinander gebaut wurden. Seither gab es in der Kirchgemeinde zehn Pfarrer. Die wechselvolle Geschichte unseres Landes machte auch vor der kleinen Gemeinde keinen Halt. Es gab Zeiten der Ruhe und Zeiten der Sorge, besonders die Kriegsjahre brachten Verluste. So wurden schon 1917 im Ersten Weltkrieg die Zinnpfeifen aus dem Prospekt der wertvollen Orgel ausgebaut. Sie konnten bis heute nicht ersetzt werden. Die beiden wertvollen großen Glocken mussten 1943 abgegeben werden. Dank des unermüdlichen Bemühens des unvergessenen Pfarrers Arno Krause (1944-1961 Pfarrer in Cunnersdorf) konnten die Glocken 1948 wieder heimgeholt werden. Damit besitzt die Kirchgemeinde Cunnersdorf eines der ältesten und wertvollsten Geläute der Oberlausitz (kleine Glocke 1500, Gießer unbekannt; mittlere Glocke 1666, Gießer Andre Herold; große Glocke von 1613, Gießer Johannes Hilger). Auch die Orgel -die sehr sanierungsbedürftig ist -gehört zu den wertvollen Kulturgütern unserer Kirche. Es handelt sich um die älteste erhaltene Orgel aus der berühmten Orgelbauwerkstatt Jahn in Dresden, die bis 1833 bestand.
Heute zählt unsere Kirchgemeinde 427 Mitglieder (Stand August 1999). Bis Februar 1999 wohnte der zuständige Pfarrer im Pfarrhaus. Durch die Strukturreform der Ev.-Luth. Landeskirche gingen die Kirchgemeinden Cunnersdorf und Schwepnitz ein Schwesternkirchverhältnis ein. Damit musste die Pfarrstelle in der wesentlich größeren Kirchgemeinde Schwepnitz eingerichtet werden. Trotzdem finden regelmäßig Veranstaltungen, wie Gottesdienste, Kinder- und Jugendtreffs, Bastelkreis und Ehepaarkreis, im Kirchgemeindehaus statt. Gemeindefeste und Konzerte sind ein fester Bestandteil unseres Angebotes, zu dem alle Einwohner unserer Dörfer immer wieder herzlich eingeladen sind. Natürlich freuen wir uns über jeden, der Kommt, der mit denkt und mit betet.
B. v. Lippe, der Urvater der Cunnersdorfer Kirchgemeinde, prägte damals ein Wort, das an Aktualität nichts verloren hat: "Wenn mit diesem Bau auch nur eine Seele für Jesus Christus gewonnen wird, dann war die Arbeit nicht umsonst gewesen."
Thomas Enge
(ehem. Pfarrer der Kirchgemeinde Cunnersdorf)
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