Als im zweiten Schlesischen Kriege im Jahre 1745 ein Regiment preußischer Husaren durch die Gegend
von Kamenz und Königsbrück zog, desertierten drei Husaren dieses Regiments mit Sattel und Zeug.
Einer derselben wurde wieder zurückgebracht; die anderen beiden, deren Sättel man im Busche fand,
kamen mithilfe der Bauern glücklich davon.
Der Unglückliche, ein blutjunger schmucker Bursche, wurde nach kurzem Standrecht bei Schwosdorf an
einem schnell errichteten Galgen gehenkt. Mitleidige Bauern haben ihm an der Stelle seines Todes auf
einer kleinen Erhöhung einen Stein gesetzt, auf dem in rohen Umrissen ein Husarensäbel und die
Jahreszahl 1745 eingehauen ist. Wie man erkennt, sind außerdem die Buchstaben H, V P und ein Galgen
eingemeißelt.
Allgemeine Anmerkung dazu:
Systematische Steinkreuzforschung wird erst seit dem Ende des 19. Jahrhunderts betrieben.
Frühere Veröffentlichungen beruhten weitgehend auf Mutmaßungen und auf den vielfältigen Sagen, die
die geheimnisvollen Steinkreuze umrankten. Besonders um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert
erfanden, weil die Kenntnisse um die Herkunft der Steinkreuze noch recht dürftig waren, manche
Schriftsteller, häufig Dorfschulmeister, rührselige Geschichten, die aber mit den wirklichen Gründen der
Steinkreuzaufstellung nichts gemein haben. Die echte Sage, entstanden aus den nebulösen Erinnerungen
und Überlieferungen der einstigen Gründe, die zur Errichtung von Steinkreuzen führten, gibt zwar kaum
exakt Auskunft darüber, warum ein Kreuz gesetzt wurde. Dennoch handelt es sich bei der echten Sage
um wertvolles überliefertes Volksgut, das die ältesten und bewegendsten Regungen der Volksseele
widerspiegelt. Im Folgenden wurde der Versuch unternommen, speziell die aussagekräftigsten
Steinkreuzsagen der Ober- und der Niederlausitz möglichst umfassend zu sammeln, wie dies in anderen
Regionen in ähnlicher Weise schon geschehen ist (z.B.: W. Saal: Steinkreuzsagen aus Sachsen-Anhalt.
Steinkreuzforschung Monografiereihe Nr. 7, Regensburg 1992). Für die mit den einzelnen Sagen
verknüpften Städte und Gemeinden wurde die alphabetische Reihenfolge gewählt.
(Gernot Dietze Kamenz, im November 2001, Quelle: Kamenzer Geschichtsverein e.V.)
Kamenzer Geschichtsverein e.V.