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Ortsteil Liebenau

Liebenau


   


Steinkreuz zu Liebenau

Die Zeitschrift "Heimat und Fremde" des Jahrgangs 1842 berichtet über die Entstehungsgeschichte des in der Nähe von Liebenau stehenden Steinkreuzes:

Das Kreuz unfern Liebenau bei Kamenz
Eine Volkssage


Ueber dem 1/2 Stunde von Kamenz entfernten Dorfe Liebenau, wo der Weg nach Schönbach führt, befindet sich linker Hand in dem daselbst gelegenen Busche, ein ziemlich großes Kreuz von Granitstein, auf dem ein Schwert - welches sich jedoch wegen der Verwitterung schwer erkennen läßt - eingehauen ist. Darüber folgende Sage:
Als am 12. Mai des 1633. Jahres Kamenz von den kaiserlichen Truppen besetzt und gebrandschatzt wurde, befand sich unter einem Reiterregiment derselben ein Rittmeister, der, wenn er gleich selbst an Gestalt weder ein Melager, Antionous oder Adonis gewesen sein soll - doch eine schöne wunderliebe Frau hatte. Ob ihn nun gleich diese sittsame, Treue, ihm ins Kriegsgetümmel gefolgte Gattin keine Veranlassung zur Eifersucht gab und in Allen und Jeden das kleinste Winken seiner Augenlieder als Befehl befolgte, so war er doch - wie es die Art aller häßlichen Männer, die reizende Weiber besitzen, sein soll - so eifersüchtig wie ein Tyger. Vorzüglich fiel sein Verdacht auf einen jungen, artigen, ebenso schönen, als tapferen Kornet, von welchem er wähnte, daß er Gnade von seiner Frau´n Augen gefunden habe. Nichts vermochte er ihm, - der pünktlich in seinem Dienste war - vorwerfen oder wegen nur der geringsten Aufmerksamkeit seine Gemahlin bezüchtigen, daher er sich nur begnügen konnte, seinem vermeintlichen Rival - um sich seiner baldigst entledigen zu können - die gewagtesten Handstreiche zu übertragen oder an die bedenklichsten Posten zu stellen, zu seinem größten Aerger aber sehen mußte, wie Alles mit kluger Vorsicht entworfen und mit kühnem Muthe ausgeführt wurde und der dem Tode Geweihte stets mit frischen Lorbeeren zurückkehrte.
Diesem ungeachtet war nichts vermögend, ihm die Augen zu öffnen, eine bessere Gesinnung gegen die Schuldlosen zu erzeugen oder sein böses, tückisches Gemüth eines besseren zu belehren. Seine Augen blieben, gleich den Sodomiten, mit Blindheit geschlagen, sein Verstand wie Aegyptens Tag verfinstert und sein Herz wie Pharao´s verstockt.
Da er sich nun an dem Kornet nicht rächen konnte, beschloß er selbiges an seinem fleckenlosen Weibe zu thun, daher er denn - da, wie bemerkt, sein Regiment in Kamenz und der Umgegend garnisonirte - seine Ehehälfte eines Abends freundlich zu einem Spaziergange einlud. Gern und Willig folgte sie ihm, sich mit gewöhnlicher Zärtlichkeit an seinen Arm hangend. Ungemein freundlich und liebevoll wurde er, und sie - seit den ersten Flitterwochen ihrer Ehe einer solchen Behandlung entwöhnt, - immer liebevoller und zärtlicher. Als er aber an den, gegenwärtig mit jenem Kreuz bezeichneten Ort - welcher wahrscheinlich zu jenen Zeiten mit dichten Holz bewachsen gewesen sein mag - kam, änderte er auf einmal sein Wesen; wild rollten seine Augen, hoch sträubte sich sein Haar, des Zornes Runzeln furchten seine Stirn und plötzlich entriß er, - seiner Gattin krampfhaft die Gurgel zudrückend, - seinem Gürtel den Dolch, vor Wuth schäumend, folgende Worte heulend: "Büße mit dem, wodurch du gesündigt" und der Stahl durchbohrte der Augen Licht, dann zog er sein Schwert und fügte hämisch lachend hinzu:" Nimm, Buhlerin, aus Gnade den Tod von meiner Hand," und hieb sie trotz ihres Flehens und Bittens und der heiligen Betheuerung ihrer Unschuld, im eigentlichen Wortsinn in Stücke.
Ein paar Tage darauf verließ der wilde Haufe Stadt und Umgegend und erst im kommenden Frühjahre fand man die jämmerlich zerfleischten, vom Einfluß der Witterung und Benagen der Raubthiere, abgefaulten Reste nebst einigen Lumpen der Kleidung - denn der zu jenen Zeiten bei vornehmen Frauen üblichen Schmuck mochte der habsüchtige Wütherich sich schon selbst zugeeignet haben.
Gutmüthige Landleute übergaben die Knochen der Mutter Erde.
Die Sache machte - als Etwas in damaligen Zeiten nicht ganz Ungewöhnliches - eben kein Aufsehen, man wußte nicht, wer die Unglückliche gewesen sei und bemühete sich auch nicht Kunde von ihr zu erlangen.
Mehrere Jahre waren verflossen, während welcher der Rittmeister zum Obersten, der Kornet aber zum Rittmeister gestiegen war; allein selbst die Zeit hatte den Haß Ersterns gegen Letztern nicht geändert, denn nach wie vor suchte er ihn, unter Erhebung seines Wohlverhaltens, immer an die gefährlichen Plätze zu stellen.
Die Gefahr gleicht einer Schlange, welche, oft gereizt, endlich doch einmal verwundet. So auch hier. - In der blutigen Schlacht bei Rheinfelden (den 21. Febr. 1638) hatte der Oberst den Rittmeister wiederum an einen Platz gestellt, wo zu vermuthen war, daß der Streit am hitzigsten werden mußte.
Wunder der Tapferkeit verrichtend, stürzte endlich der Tapfere unter den feindlichen Streichen und wurde halb entseelt dem Gemetzel entrissen; da er nun fühlte, daß sein letztes Stündlein nahe, forschte er ängstlich nach dem Obersten, dessen Grolls Grund ihm nicht unbekannt geblieben. - Obgleich selbst nicht unbedeutend verwundet, erschien selbiger nach 2 Stunden und fand den Schwachen in Gesellschaft eines Geistlichen, der ihm Worte des Trostes zusprach. Als der Oberste eintrat, wendete sich der Rittmeister, so gut es seine Kräfte gestatteten, zu ihm, mit wehmüthigem Lächeln ihm die Hand reichend und mit schwacher Stimme lallend: "Nur im Tode ist Wahrheit, also vernehmet sie auch von mir, Waffengefährte! in Gegenwart dieses geistlichen Herrn. Ich weiß gar wohl, welcher schwarze Verdacht gegen mich bei euch brütet.
Vor dem allwissenden Richter, zu dem ich bald treten werde, versichere ich, daß Euer ehelich Gespons unschuldig, rein, wie die eben scheidende Sonne ist, und daß kein unreiner, sündhafter Gedanke hinsichtlich ihrer meinem Busen jemals entstiegen ist. Nur im Tode ist Wahrheit und ich werde mit keiner Lüge das unbekannte Jenseits betreten. Schließt die unschuldig Verstoßene wieder in Eure Arme (denn allgemein wurde im Heere geglaubt, daß er sie auf eins seiner entfernten Güter geschickt habe). Lebt wohl!"
Mit diesen Worten hemmte das dem Munde entstürzende Blut seine Sprache. - Er war nicht mehr.
Von diesem Augenblick an trieb es den Obersten unstät und flüchtig umher, nirgends fand er Ruhe, denn Tag und Nacht schwebte der blutige, bleiche Schatten seiner Gattin vor der Seele des Trostlosen. Endlich führte der Dinge Wechsel sein Regiment wiederum nach Kamenz; er eilte an die Stelle, wo er die Schuldlose geopfert hatte, fiel mit den Worten: "Ewige Einung mit Dir!" in sein Schwer, wurde am Morgen entseelt gefunden und ihm zum Andenken jener Stein mit eingehauenem Schwert errichtet.

   


Aus der Ortschronik von Liebenau

1225
Der Ort findet unter dem Namen Liebenowe seine erste urkundliche Erwähnung.

1263
Für den Ort werden 20 Scheffel Dezem festgelegt.

1426
Liebenau geht an das Geschlecht derer von Hermsdorf über.

1438
Kaiser Albrecht II. vergibt den Ort als Lehen.

1508
Liebenau wird an die Stadt Kamenz verkauft. Später erwirbt Hans von Krakow (bzw. Kroko) das Rittergut. 1517 kommt es an dessen Söhne.

1526
Die von Leubnitz kaufen das Gut Liebenau.

1570
Im Dorf werden elf Rauche (bewohnte Bauerngüter) gezählt.

1625
Heinrich von Hermsdorf verkauft das Gut an Vizekanzler Dr. Georg Jacob Reich.

1643
Offensichtlich war das Gut wieder im Besitz der Familie von Leubnitz, denn diese tauscht es in diesem Jahre mit Seyfrid von Metzradt gegen Großwelka.

1651
Hans Heinrich von Ponickau erwirbt den Ort. Er überträgt ihn 1669 an Valentin Nickol von Ponickau.

1678
Dessen Sohn Hans Friedrich von Ponickau auf Prietitz verkauft Liebenau seinem namensgleichen Vetter Hans Friedrich von Ponickau auf Bischheim.

1686
Nach dem Tod von Hans Friedrich von Ponickau auf Bischheim verkauft dessen Tochter Liebenau an einen von Gersdorff. Dessen Witwe wiederum gibt es an einen von Carlowitz weiter.

1700
Eleonora Sophia von Reichwald, geb. von Nostiz, wird zur Herrin, sogen. Frau auf Liebenau. Der Ort hat drei Bauern, vier Gärtner und vier Häusler.

1732
Noch immer wird Liebenau als ein sorbischer Ort bezeichnet.

1744
Carl Leonhard von Carlowitz ist Besitzer. Pächter des Gutes ist Johann Freudenberg und zuständiger Gerichtsdirektor Christian Gottlob Leßing aus Kamenz.

1763
Der Fürstlich Braunschweig-Lüneburgische Hofjägermeister Graf George Wolf von Carlowitz besitzt Liebenau.

1777
Vier besessene Mann, vier Gärtner und acht Häusler werden angegeben.

1786
Graf von Redern kauft Dorf und Rittergut von der Familie von Carlowitz.

1790
Das Rittergut gelangt in den Besitz der Gräfin zu Stolberg, Geborene von Redern.

19.Jh.
Anfang des Jahrhunderts wird das alte Herrenhaus abgebrochen.

1818
Die Mühle am Schwosdorfer Wasser findet Erwähnung.

1834
Der Ort zählt 103 Einwohner, 1871 sind es 118 und 1890 bereits 141.

1898
Ein Steinkreuz am Leibnitzberg zeugt von einem Vorfall.

Um 1900
entstehen am Vogelberg die Hartstein- und Schotterwerke der Firma Paul Weiland. In den 30er Jahren sind hier etwa 130 Arbeiter aus 17 Dörfern beschäftigt.

1902
Sieben Gehöfte brennen nieder.

1914 - 1918
Der 1. Weltkrieg fordert aus Liebenau acht Opfer.

1925
Bürgermeister des 231 Einwohner zählenden Ortes ist Oskar Zickler.

1929
Während eines Feuerwehrballes brennt Emil Hornuffs Scheune nieder.

1943
Die Brecheranlage am Vogelberg brennt ab, die Produktion wird eingestellt.

1945
Im April werden an einer Panzersperre drei Sowjetsoldaten erschossen und daraufhin sechs Einwohner standrechtlich hingerichtet.
In Liebenau müssen insgesamt zwölf Opfer des 2. Weltkrieges betrauert werden.

1950
Unter Bürgermeister Hans Kahl wird das erste Kinderfest veranstaltet.

1952
Errichtung einer Konsumverkaufsstelle

1953
Die Gründung der LPG Völkerfreundschaft erfolgt. Es ist die achte LPG im Kreis Kamenz.

1959
Nach einem Brand des Schafstalls wird dieser wieder aufgebaut.

1960
Gründung der LPG Gute Hoffnung

1961
Erstmals findet in Liebenau ein Kinderfasching mit Zampern statt.

1963
Im Nationalen Aufbauwerk (NAW) baut die Bevölkerung ihren Kulturraum.

1964
In Liebenau gibt es 200 Einwohner.

1968
Durch die Eingemeindung nach Brauna wird Liebenau zum Ortsteil.

1970
Die Genossenschaft schließt sich der LPG Brauna an. Der ehemalige Schafstall wird erweitert und nimmt ca. 140 Rinder auf.

1976 – 1980
Die 1930er Milchviehanlage wird gebaut. Sie liefert täglich 23.000 l Milch.

1976 - 1977
Bau des Technikstützpunktes der KAP XI. Bauernkongress

1979
Die Wasserleitung für die Grundstücke wird verlegt.

1981 - 1982
Der Leibnitzteich wird vergrößert.

1987
In Liebenau wird eine neue Konsumverkaufsstelle errichtet. Sie besteht bis 1993.

1990
Die neu gebildete Agrargenossenschaft Liebenau bewirtschaftet zwischen Deutschbaselitz, Petershain und Biehla 2.500 ha Fläche.

1994
Im Zuge der Gemeindegebietsreform wird Liebenau am 1. März Ortsteil der Gemeinde Schönteichen.

   


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